aus der Schreibwerkstatt der Autorin Barbara Collet
Dezember 2025

Dieses Jahr 2025 hatte es in sich: Zwei Umzüge, ein ständiges Hin und Her zwischen Deutschland und Italien – aber inzwischen hat sich alles geklärt und beruhigt. Und es war ein arbeitsintensives Jahr: Die Lesungen meines neuen Romans Soffio in Calabria in der Bibliotheca Communale in Reggio Calabria und im Marinemuseum in Cannitello, Villa San Giovanni, bildeten einen ersten Einstieg in die Öffentlichkeitsarbeit. Mit Hilfe von Franco Arcidiaco, Verlagsdirektor von Città del Sole, dem Künstler und Poeten Ghislain Mayaud (der das Cover entwarf und den neuen Titel fand) sowie Giusi Mauro, die mit ihrer zarten Stimme die Präsentation akustisch bereicherte, gelang mir ein gelungener Einstieg in italienische Lesungen. Die von ihnen vorgetragenen Textstellen gaben den Zuhörern einen ersten Eindruck von Stil und Thematik des Thrillers.
Parallel dazu arbeiteten wir das gesamte Jahr über an der Übersetzung meines deutschsprachigen Thrillers Fuga, dem Bösen auf der Spur (2023), der nun ein neues Cover und den Titel Offene Wunde (Ferita aperta) trägt. Die italienische Fassung wird in Kürze fertiggestellt, und wir sind alle sehr gespannt. Sie ist ein echter Gewinn – nicht nur ästhetisch, sondern auch sprachlich: Die Kraft der italienischen Sprache entfaltet hier einen besonderen Zauber, insbesondere in Verbindung mit der Arbeit eines Dichters.
Seit zwei Jahren arbeite ich zudem an einem Roman über das Thema „Narzisst“ – eine Herausforderung. Die Nachrichten über die Opfer dieses männlichen Typs werden zunehmend drastischer. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht von einer Vergewaltigung, einem Mord oder Misshandlungen durch narzisstische Täter berichtet wird. Ich beobachte die Entwicklungen in Deutschland, Frankreich und Italien aus biografischem Interesse besonders aufmerksam.
Das Problem: Frauen schämen sich, Opfer geworden zu sein. Sie fühlen sich doppelt erniedrigt – einmal durch die Täter, und ein zweites Mal durch die Reaktion der Gesellschaft. Doch Letzteres beginnt sich endlich zu ändern. Ein bemerkenswertes Beispiel ist Gisèle Pelicot, die jahrelang unter Drogen gesetzt und von Dutzenden Männern in diesem Zustand vergewaltigt wurde. Sie brach das Schweigen. Die 51 Männer, die behaupteten, der Sex sei einvernehmlich gewesen, wurden verurteilt und ins Gefängnis verfrachtet. Die Täter: Journalisten, Beamte, LKW-Fahrer, Krankenhauspersonal, Gemeindearbeiter – ganz „normale“ Männer.
In meinem Roman wird es keine Morde oder Vergewaltigungen geben. Es geht um die subtile Methode des Narzissten, sein Opfer einzulullen. Entsprechend meiner ironisch-satirischen Feder sehe ich meine literarische Aufgabe darin, diese Männerkategorie der Heiterkeit auszusetzen: ihre Art zu sprechen, sich zu kleiden, ihr Verhalten in der Öffentlichkeit – all das wird von meiner Feder beobachtet und beschrieben. Mit Blick auf einige Politiker, die uns alle ständig in Atem halten, sind auch hier durchaus Erkenntnisse möglich.








Die Autorin bei einer Lesung in St. Elia (Palmi) mit einer teuren Freundin, Rosanna Larosa, die viel zu früh verstarb (Foto aus Dezember 2023)
Journalistische Arbeit
In meinem zweiten Berufsfeld als freie Journalistin habe ich seit dem 7. Oktober alles Menschenmögliche versucht, um den Genozid in Palästina zu stoppen und die Front gegen die mörderischen Zionisten zu stärken. Vernetzt mit vielen Organisationen und Journalisten vor Ort versuchten wir kollektiv, die Wahrheit herauszufinden. Die Bilder, die uns täglich erschütterten und weiterhin erschüttern, sind unbeschreiblich. Ghislain Mayaud hat jetzt gerade eine Poesie geschrieben, die am 12.12. in Rende in Form eines Kunstwerks gezeigt werden wird. Wir Dichter, Künstler und Schriftsteller kämpfen täglich, um angesichts dieser zionistischen Brutalität nicht im Tale der Verzweiflung zu versinken. In Linkedin veröffentlichte ich ein Gedicht im Namen Paul Celans, der – er verübte Ende der 60er in Paris Selbstmord – Gaza (fiktiv) einen Besuch abstattet und schreibt: „Auschwitz war humaner. Gaza ist unvorstellbar. Man tötet sogar die Kinder, die Schlange stehen, um einen Bissen Essen zu bekommen.“ In Auschwitz starben die bedauernswerten Opfer in 10 Minuten. In Gaza mehrere Jahre. Wie viele Journalisten sind von den Zionisten ermordet worden? Bestialisch hingerichtet? Unsere Gegner fürchten die Menschen, die die Wahrheit sahen und aufschreiben.
Ghislain Mayaud : eine Poesie zum Thema Krieg
künstlerisch dargestellt für eine Exposition am 12.12.2025 in Rende, Kalabrien
